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Chasa Montana Weinreise nach Südtirol im Mai 2015


Ein kleiner Bericht von Gastgeber & Diplom-Sommelier Daniel Eisner

Schon mal vorweg – Nach der letztjährigen Weinreise ins Burgund (unter anderem mit dem Besuch bei Domaine Romanée Conti) hatten wir die Befürchtung, dass uns nichts mehr so schnell begeistern kann. Da haben wir uns gewaltig getäuscht – das Weinland Südtirol überzeugte uns mit Spitzenqualitäten bei Rot- und Weisswein, einige davon tatsächlich in einer Liga mit den ganz grossen Weinen der Welt.

Auf dem Weg durch den blühenden Vinschgau tankten wir am Morgen des 6. Mai 2015 schon richtig Lust auf Südtiroler Wein. Praktisch anstatt des Frühstücks wurden wir auf dem Weingut Hofstätter in Tramin zur ersten Verkostung geladen. Damit man die Weine besser verstehen kann, haben wir dies zum Teil direkt in den Weingärten gemacht – zuerst am Kolbenhof (hier ist vor allem der Gewürztraminer Kolbenhof zu erwähnen) und dann in Mazzon auf der anderen Seite des Tals, wo auch der kultige Pinot Noir Barthenau St. Urban sein zu Hause hat. Sowohl der Weissburgunder Barthenau als auch der Pinot Noir Barthenau waren eine Klasse für sich. Der Pinot Noir gehört vielleicht zu den absolut besten und langlebigsten Pinot Noirs ausserhalb des Burgunds weltweit! Sucht man einfach nur richtig gute Weine typischen Südtiroler Charakters, so ist man mit der preiswerten Bordeaux-Cuvée Kirchegg und dem Lagrein Steinraffler bestens bedient! So bietet das Weingut Hofstätter in verschiedenen Preisklassen absolute Spitzentropfen!! Im hauseigenen Restaurant in Tramin kann man zudem die Weine auch Glasweise zu gutem Essen bestellen.

Gestärkt nach dem Mittagessen besuchten wir als nächstes das Weingut Manincor zwischen Tramin und Kaltern. Beeindruckend war schon der Keller, den man mit einer architektonischen Meisterleistung in den Weinberg gebaut hat. Geradlinig, puristisch, feinstrukturiert und elegant präsentiert sich die gesamte Linie der Weine im Glas. Die Weine besitzen praktisch alle kaum Restzucker und können nicht als gefällig bezeichnet werden. Man muss schon ein wenig Ahnung von Wein haben, um auf den ersten Blick die TOP-Qualität dieser Weine zu erkennen. Für mich war das Weingut die grösste Überraschung der 3-tägigen Reise, weil ich mich vorher kaum mit diesen Weinen beschäftigt habe und ich die Qualität vermutlich völlig unterschätzt habe. In Zukunft wird es sicher mehrere Positionen auf unserer Weinkarte geben. Die Weine besitzen grosses Alterungspotenzial und spielen Ihre grosse Qualität erst nach ein paar Jahren der Flaschenreife aus.

Schnell wurde es Donnerstag, der 7. Mai 2015 und wir brachen auf, um den Pionier der Südtiroler Weinszene, nämlich Alois Lageder in Magreid zu besuchen. Hier sind wir schon mit hoher Erwartungshaltung angekommen, diese konnte aber schon mit dem ersten Drittel des Verkostungsmarathons erfüllt werden. Der Rest war dann Draufgabe! Die Weissen Pinot Blanc Haberle und Pinot Grigio Porer aus dem Jahrgang 2013 waren wundervolle, fruchtbetonte Weine, die richtig Spass machten. Die Langlebigkeit dieser Weine wurde uns mit einer Kostprobe des 2004er Pinot Grigio Porer unter Beweis gestellt. Fantastisch auch die beiden Sauvignons „Lehen“ und „Tannhammer“, wobei ich die burgundischen Typen a la Chardonnay Löwengang und Cason Hirschbrunn Weiss (vorwiegend Pinot Grigio, Viogner & Chardonnay) bevorzuge. Einer der besten 3 Weine (und wir haben etwa 80 probiert) der 3-tägigen Reise war der Pinot Noir Krafuss, den wir aus den Jahren 2010 und 2004 (erinnerte an einen Grand Cru aus dem Burgund) verkosten durften. Dass der Cabernet Löwengang (2010) und der COR Römigberg (2011) grossartig waren, versteht sich fast von selbst. Beide Bordeaux-ähnlichen Weine benötigen aber sicher noch ein paar Jahre der Flaschenreife. Zusammengefasst: Alois Lageder ist nicht nur der Pionier in Südtirol, er ist vor allen auch aufgrund der breiten Palette an TOP-Weinen immer noch der Beste Winzer dort! 

Der Nachmittag stand im Zeichen der BIO-Pioniere Loacker auf dem Schwarhof oberhalb von Bozen. Diejenigen von uns, die das erste Mal da oben waren, wurden zunächst vom atemberaubenden Blick auf Bozen überwältigt. Und dann kam unser „alter“ Freund Franz Loacker um mit uns die Weine aus dem Stammweingut, aber auch die Weine von den 2 Weingütern aus der Toskana (seit den 1990ern besitzt die Familie Loacker auch dort 2 Betriebe) zu verkosten. Der warme Sauvignon Tasnim, der Gewürztraminer Atagis, der Ywain Merlot, der Gran Lareyn (Lagrein) und die Cuvée Kastlet – alles in gewohnter Top-Form. Die Weine der Loackers (vor allem die Roten) sind kraftstrotzende, erdige Weine mit unglaublichen Charakter und Eigenständigkeit in Geruch und Geschmack. Da wird nichts geschönt oder gestylt, die Weine wachsen im Weinberg und so kommen sie mit der Typizität jedes Jahrgangs in die Flasche. Der Brunello 2010 hält im Übrigen das, was viele schon von diesem grossen Jahrgang in der Toskana versprochen haben. Tja und dann wurde es richtig spannend, bei der En-Primeur-Verkostung des CHASA MONTANA RED 2011, der diesmal nur aus 3 Rebsorten (Sangiovese, Cabernet Sauvignon & Syrah) gekeltert wurde. Seit dem Jahrgang 2007 wird dieser Wein exklusiv für das Chasa Montana von der Familie Loacker auf Valdifalco abgefüllt. Der 2011er ist nichts für Freunde von Gerbstoffarmen Weinen. Er besitzt Kraft, Struktur, süssbeerige Frucht, eine intensive Würze und eben das nötige Tannin Gerüst um auch noch lange Genuss zu bereiten. Bis er bei uns in den Verkauf kommt, wird noch mindestens ein halbes Jahr vergehen, und so hoffen wir, dass bis dahin , das noch zu junge Tannin sich wie bei den Jahrgängen davor gut in den Wein einbinden wird.
 

Am Abend des 7. Mai genossen wir übrigens ein wundervolles Essen im Restaurant „Zur Rose“ (1 Michelin Stern) in Eppan. Highlight des Abends war einer der wenigen nicht aus Südtirol  stammenden Weine dieser Tage, der BAROLO MONFORTINO 2006 von Giacomo Conterno. Vielen Dank an den Sponsor INTERZEGG AG, der uns diese teure Rarität offeriert hat. 

Praktisch schon auf dem Nachhauseweg steuerten wir am Freitag, den 8. Mai die Kellerei Terlan an, wo uns der im Moment vielleicht beste Kellermeister Südtirols Rudi Kofler in die Philosophie der Kellerei Terlan einweihte. Aussergewöhnliche Mineralität, Dichte, eine perfekte Säurestruktur und Komplexität geben den Weinen der Kellerei eine schier endlose Haltbarkeit. Die Premiumlinie der Weissweine (Chardonnay, Pinot Blanc, Sauvignon Blanc oder die Cuvée aus den 3 Rebsorten) ist jung zwar schon ein Hochgenuss, gereift bringen Sie das, was man nur von den grossen französischen Vorbildern kennt, nämlich perfekter Sortengeschmack gepaart mit perfekter Harmonie und einem unendlichen Abgang. Interessant auch die Geschichte der Raritätenweine, die erst nach 10-30 Jahren auf der Feinhefe in die Flasche gefüllt werden und alles für den anspruchsvollen Gaumen bieten. Jedes Jahr wird ein Wein auserwählt, dem diese Ehre zukommt. Wir durften den aktuellen Chardonnay aus dem Jahr 2003 probieren – fantastisch und auch nicht zu Säurearm, wie man evtl. nach dem Jahrhundertsommer 2003 vermuten könnte. In aussergewöhnliche Dimensionen begibt man sich mit dem „Primus“, der als Vorbilder Weine wie „Le Montrachet“ oder „Chevalier Montrachet“ aus dem Burgund hat – und „ja“ wir haben ja den direkten Vergleich aus dem letzten Jahr: Dieser Wein kann mit den Besten aus dem Burgund tatsächlich mithalten. Leider gibt es ihn nur in homöopathischen Mengen und er kostet schon einen schönen dreistelligen Betrag. Den ältesten Wein bekamen wir ebenfalls aus Terlan, ein 1959er Weissburgunder der den Beweis für die Haltbarkeit des Terroirs rund um Terlan eindrucksvoll unter Beweis stellte. Nur der Form halber erwähne ich noch, dass der Lagrein Porphyr sowie der Pinot Noir Montigl zu den besten Ihrer Art in Südtirol zählen.

Begeistern konnte uns der Besuch im Relais & Châteaux Fragsburg oberhalb von Meran, der sich als kulinarischer Höhepunkt der Reise herausstellte. Das Mittagessen hat den Michelin-Stern mehr als verdient und das Service war hochkarätig professionell. 

Zum Abschluss besuchten wir noch Heiner Pohl auf seinem Marinushof in Kastelbell im Vinschgau. Hier hat sich der Weinbau erst in letzter Zeit etabliert und kann sich mittlerweile sehen lassen. Die Weine sind etwas leichter, als in der Gegend um Bozen und vielleicht auch etwas einfacher gestrickt. Sie bieten aber fantastischen Trinkgenuss und sind vor allem als elegante Speisebegleiter eine Wucht. Bei den weissen hat uns der Pinot Grigio 2014 und bei den Roten der Pinot Nero 2013 am besten gefallen. Beide Weine benötigen sicher noch ein paar Monate der Flaschenreife, um harmonisch zu sein. Ältere Jahrgänge sind leider schon restlos ausverkauft, weil die Nachfrage nach diesen Weinen schon grösser ist, als das Angebot. Alles in allem, machten die Weine sogar nach den grossartigen Weinen der Kellerei Terlan noch sehr viel Spass. 
 

Fazit zur aktuellen Weinqualität Südtirols: In Sachen Weisswein hat Südtirol als beste Weissweinregion Italiens das Friaul meiner Meinung schon längst hinter sich gelassen. Die Rebsortenvielfalt und auch die Vielfalt der Weinstile von fruchtig-frisch über mollig-üppig bis hin zu Terroir betonten Charakterweinen mit langer Lagerfähigkeit hat Südtirol in allen Preisklassen und für jeden Geschmack etwas zu bieten. Bei den Roten gibt es mit dem Lagrein eine echte Spezialität, der Pinot Noir und die Bordeauxrebsorten Cabernet & Merlot fühlen sich aber genauso heimisch und erbringen in manchen Betrieben Weine von grossem Format. Die Zeiten von dünnem und saurem Kalterer See sind bekanntlich ja schon längst vorbei, die tatsächliche Qualität der Südtiroler Weine wird aber von den meisten noch immer unterschätzt – und das ist gut so, denn mit einer Weinbaufläche um die 5000 ha reicht es ohnehin nicht für alle Weinfreaks dieser Erde! Im Chasa Montana werden wir in den nächsten Monaten das Angebot an Südtiroler Weinen sicher noch erweitern!

Für die Mitorganisation der Weinreise danke ich Markus Wilhelm (Diplom-Sommelier und Weinakademiker, Fa. Interzegg) sowie Bernd Zischg (Diplom-Sommelier und Weinakademiker, Vinothek Karner) recht herzlich. Die beiden haben uns die Türen zu den Weingütern geöffnet und dafür gesorgt, dass wir dort wie Könige betreut wurden und auch die echten Raritäten probieren durften!

 

Gastgeber und Diplom-Sommelier

Daniel Eisner